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Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest rückt näher

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Rund 500 Kilometer vom Kreis Höxter entfernt wurde der erste Nachweis bei einem Wildschwein in Brandenburg gestern offiziell bestätigt. „Damit haben wir rechnen müssen“, sagt der Leiter des Veterinärdienstes des Kreises Höxter, Dr. Jens Tschachtschal, besorgt.

Bereits seit einigen Jahren grassiert das ASP-Virus in Wildschweinpopulationen in Osteuropa. Im September 2018 wurde die erste Infektion in Belgien nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze nachgewiesen. Deshalb hatte der Kreis Höxter bereits frühzeitig eine Reihe von Vorkehrungen zur Bekämpfung der hochansteckenden Tierseuche getroffen, die in Deutschland anzeigepflichtig ist.

Für Menschen ist der Erreger ungefährlich, wie das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Friedrich-Loeffler-Institut, feststellt. „Auch für andere Tierarten stellt das Virus keine Gefahr dar“, erklärt Dr. Tschachtschal. Infizierte Haus- und Wildschweine verenden jedoch in der Regel. „Problematisch ist, dass es weder eine Impfung noch eine Therapie gibt, um Schweine zu schützen“, so der Veterinärmediziner. Zudem sei das Virus widerstandsfähig und lange ansteckend. Die Übertragung erfolge direkt von Tier zu Tier, aber auch indirekt. „In Rohwurst, Schinken und Gefrierfleisch kann sich der Erreger Monate bis sogar Jahre halten“, erläutert Dr. Tschachtschal. „Deshalb ist es wichtig, dass wir alle dazu beitragen, die Verbreitung zu verhindern.“ Lebensmittelreste sollten auf keinen Fall achtlos in der Natur zurückgelassen werden.

„Praktische Probleme bereitet insbesondere die Bekämpfung der Seuche innerhalb der Wildschweinpopulation“, erklärt der Leiter des Veterinärdienstes. Deshalb bereitet den Experten die starke Vermehrung der Wildschweine in den letzten Jahren große Sorgen. „Die hohe Wildschweindichte im Kreis Höxter bedeutet auch ein hohes Risiko, wenn das Virus näher rückt“, sagt Dr. Tschachtschal. An der deutsch-polnischen Grenze habe sich gezeigt, dass die präventiven Maßnahmen vor Ort, insbesondere der Bau eines Schutzzauns in dem Gebiet entlang der Grenze, die Weiterverschleppung auf Dauer nicht habe verhindern können. 

Für die heimische Landwirtschaft hätte das Einschleppen der Seuche außerordentliche Folgen. Lokal führen Ausbrüche der ASP bei Wildschweinen zur Festlegung von Restriktionszonen, in denen Bekämpfungsmaßnahmen festgelegt werden mit dem Ziel, den Erreger auszumerzen. Hinzu kommen Handelsbeschränkungen für Hausschweine, wenn die Haltungen innerhalb dieser Restriktionszonen liegen. Für die gesamte Landwirtschaft in Deutschland wären immense wirtschaftliche Folgen durch Absatzeinbrüche beim Export von Schweinefleisch in andere Länder zu befürchten.

Der Kreis Höxter hat in Tierseuchenübungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten in den letzten Jahren mehrfach den Ernstfall erprobt und bereits eine Reihe von weiteren Vorkehrungen getroffen. „Mit der Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft steht den Kreisen in NRW ein kompetenter Ansprechpartner als Dienstleister für die Durchführung der notwendigen Maßnahmen zur Seite. Hierfür haben wir die notwendigen finanziellen Mittel zurückgestellt“, erklärt der Leiter des Veterinärdienstes des Kreises Höxter. Auch hat der Kreis notwendige Ausrüstungsgegenstände für Bekämpfungsmaßnahmen beschafft. „Dazu gehören unter anderem zwei mobile Kühl- und Zerwirkzellen, in denen die Beprobung und Aufbewahrung erlegter Wildschweine erfolgen kann“, so Dr. Tschachtschal.

Höchste Priorität haben Präventionsmaßnahmen, um eine Weiterverbreitung innerhalb Deutschlands wirksam zu bekämpfen. „Auch wir vor Ort müssen mit allen Mitteln die Weiterverschleppung in den Kreis Höxter verhindern. Dabei sind insbesondere das Handeln und die Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern von Bedeutung“, ruft der Veterinärmediziner zu gemeinsamem Engagement auf.

Was Jäger im Kreis Höxter tun können:
„Der Kreis Höxter gehört zu den Kreisen mit einer hohen Wildschweindichte. Wichtig ist deshalb, die Wildschweinbestände durch eine intensive Bejagung zu reduzieren“, verweist Dr. Tschachtschal auf die Verantwortung der Jägerschaft, aktiv zur Vorbeugung beizutragen.

„Für die Früherkennung eines möglichen Ausbruchs ist es außerdem zwingend notwendig, tot aufgefundene und krank erlegte Wildschweine labordiagnostisch auf den ASP-Erreger zu untersuchen“, appelliert er an die Jagdausübungsberechtigten. Sie seien rechtlich verpflichtet, solche Fälle beim zuständigen Veterinäramt umgehend zu melden und die notwendigen Proben für die Untersuchung zu entnehmen. Auch auf jegliche Form von Jagdtourismus sollten verantwortungsvolle Jäger in der jetzigen Zeit verzichten.

Was Landwirte im Kreis Höxter tun können:
Landwirte sind dafür verantwortlich, in ihren Tierbeständen für Biosicherheit zu sorgen, um eine Einschleppung von Tierseuchenerregern zu verhindern. Da ASP von Wildschweinen auf Hausschweine übertragen werden kann, muss jeglicher Kontakt unterbunden werden. Schweine in Auslauf- und Freilandhaltungen müssen durch Doppelzäune geschützt werden. „Futter und Einstreu müssen wildschweinsicher gelagert werden“, betont der Kreisveterinär. Ziel ist es, auch indirekte Übertragungsrisiken auszuschließen. Dazu gehört es auch, beim Betreten eines Schweinestalls Schutzkleidung zu tragen und für Reinigungs- und Desinfektionsmöglichkeiten zu sorgen. In großen Betrieben sind eine Hygieneschleuse und ggf. auch eine Einzäunung erforderlich.

„Das Risiko einer weiteren Verschleppung bei Wildschweinen können wir sicher nur begrenzt beeinflussen“, resümiert er. „Ein Überspringen des Erregers auf Hausschweine kann aber durch konsequente Einhaltung der Biosicherheitsvorgaben verhindert werden“, appelliert der Veterinäramtsleiter an die landwirtschaftlichen Tierhalter.